In unserer Zeit 

machen die meisten Menschen lieber ein Foto, anstatt den Zeitpunkt des Geschehens aktiv zu erleben. 

Auch unsere Arbeitswelt wird immer starrer und normativer. Arbeitende sind oft dazu angehalten, sich an strikte Arbeitsabläufe zu halten, statt die eigentliche Aufgabe gut zu erledigen. Deswegen bleiben auch Sozialarbeitende von diesem Problem nicht verschont. Durch den stetig wachsenden bürokratischen Aufwand investieren sie viel Zeit darin, mit formalen Entscheiden festzustellen, ob eine Hilfsbedürftigkeit oder ein Schwächezustand in einem zugeteilten Fall vorliegt. Für nachhaltige, persönliche Unterstützung der Klientinnen und Klienten bleibt dann nur noch wenig Zeit.

Ausserdem wird bei der klassischen Sozialarbeit meist nur das Denken und Handeln der Klientinnen und Klienten durch das Handeln und Denken der Sozialarbeitenden ersetzt. Endet diese Unterstützung, fallen zahlreiche Klientinnen und Klienten oft wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Die Klientel hat so keine Möglichkeit, einen selbständigen Entwicklungsprozess zu durchlaufen. So wird die Hilfsbedürftigkeit schlussendlich nicht reduziert, sondern nur verfestigt. 

Jede Hilfe kann Abhängigkeiten schaffen. Deshalb sollte Soziale Hilfe in ihrer Paradoxie verstanden werden, denn es wird mit Abhängigkeiten gearbeitet - um im besten Fall Selbstbestimmung und Autonomie zu ermöglichen.


Marcel Emmenegger, Sozialarbeiter

Ich absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Metrohm AG in Herisau. In dieser Zeit unterrichtete ich zusätzlich Deutsch für Asylsuchende im damaligen St. Galler Kulturverein Kutüsch. Nach der Rekrutenschule und einem Spanienaufenthalt arbeitete ich als Hilfspfleger in der Psychiatrie, war Landarbeiter im Kibbuz Kerem Shalom in Israel, Reiseleiter und Schullehrer in Kenya und war für eine Handelsgesellschaft am Panamakanal tätig. Bei Zwischenaufenthalten in der Schweiz leistete ich Zivilschutz bei Martin Grob (Stiftung Tosam Herisau) und war dort zur Betreuung von Flüchtlingen eingeteilt. Im Zivilschutz pflegte ich ausserdem Menschen in einem psychiatrischen Altersheim. Danach war ich in verschiedenen Funktionen im Family Office von Klaus J. Jacobs tätig und organisierte später auf verschiedenen Kontinenten Corporate Social Responsibility Aktivitäten für Adecco und Barry Callebaut, Firmen der Jacobs HoldingIn Südostasien arbeitete ich im PR-Bereich u.a. für Thai Airways und Procter & Gamble und organisierte Sozialprojekte für den ehem. thailändischen Politiker Peerapong Tanompongphandh. Gemeinsam mit Gorpin Phadungratna gründete ich die interkulturelle Beratungsstelle Culture Shock in Bangkok.

Verheiratet kehrte ich wieder in die Schweiz zurück, holte die Fachhochschulreife nach und studierte mit einem Stipendium der Gemeinde Herisau Soziale Arbeit u. a. bei Silvia Staub-Bernasconi, Petra Gregusch und Hanspeter Hongler an der ZHAW und absolvierte einen Lehrgang in Public Governance and Administration an der ETH Zurich bei Michael Ambühl. Darauf studierte ich mit einem staatlichen Stipendium MA Philosophie bei Alexander Gungov an der St. Kliment Ohridski Universität in Sofia, bei der meine Masterthesis über Philosophie mit Kindern mit der Bestnote ausgezeichnet wurde. Weitere Universitätsseminare zu den Themen Corporate Social Responsibility, Intercultural Management, Psychological First Aid und Political Philosophy erweiterten meinen Bildungshorizont. Sozialberuflich arbeitete ich auf einem kantonalen sowie auf einem städtischen Sozialamt und betätigte mich in den Fachgebieten wirtschaftliche Sozialhilfe und Beistandschaften. Aktuell arbeite ich als Sozialpädagoge in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie.

In Jahr 2021 habe ich auf der Basis meiner Masterthesis ein philosophisches Kinderbuch geschrieben, ein weiteres Projekt ist in Arbeit. Referenzen werden auf Anfrage freigeschaltet.

For an English biography please go to: learning-philosophy.com

© 2021 Marcel Emmenegger, CH 9100 Herisau
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